Karbener LiteraturTreff e.V.
Thema: Literatur aus USA und Kanada
Zeit: 19.30 -21.30 Uhr
Anwesende: 19 Personen
Herr Thomas eröffnet den Abend mit einem kurzen Abriss über die amerikanische
Literatur, die eigentlich erst im 19. Jh. beginnt mit. Short Stories,
Südstaatenliteratur und Western sind Merkmale der frühen amerikanischen Literatur.
Viele einzelne Schriftsteller haben sich einen Namen gemacht und die höchsten
amerikanischen literarische Auszeichnungen erhalten; wie der Pulitzer Preis und
der National Book Award. 11 Schriftsteller haben den Literatur-Nobelpreis erhalten.
Frau Enslin referiert über Marilyn French (1929 -2009). Sie lebte in New York,
war Literaturwissenschaftlerin und unterrichtete englische Literatur u.a. in
Harvard, wo sie über James Joyces "Ulysses" promovierte. Sie schrieb Sachbücher,
viele Erzählungen und Essays, vor allem war sie Feministin. Ihr Stil ist sehr
bildhaft und mit vielen Details geschmückt. Mit ihrem Buch "Frauen" wurde sie
zur Ikone der Frauenbewegung. 1950 heiratete sie einen Rechtsanwalt, von dem
sie 17 Jahre später wieder geschieden wurde. "Das blutende Herz" thematisiert
eine Liebesgeschichte zwischen zwei älteren Amerikanern. "Meine Zeit in der Hölle"
beschreibt ihren Kampf gegen den Krebs, an dem sie 2009 in New York gestorben ist.
Herr Axt stellt uns Robert Frost (1874 -1963) vor. Dieser amerikanische Dichter
ist uns ziemlich unbekannt, in Amerika ist er jedoch zu großen Ehren gelangt.
Er arbeitete als Lehrer, hatte verschiedene Nebenjobs, heiratete mit 21 Jahren,
hatte fünf Kinder und lebte auf einer Farm in New Hampshire. Da die Erträge
der Farm für den Lebensunterhalt nicht ausreichten, wanderte er aus nach England,
kehrte aber nach drei Jahren wieder zurück nach Amerika und lebte wieder auf
einer Farm. Nach dem Tod seiner Frau und dem Selbstmord seiner Tochter war Frost
ein gebrochener Mann. Er erhielt viermal den Pulitzer Preis. Seine Gedichte
kreisen um die Natur und enthalten viele Metaphern und Symbole.
Zur Amtseinführung von John F. Kennedy hat R. Frost das Gedicht "The gift out right"
vorgetragen, was viel Kritik und Aufsehen erregte. Sein berühmtestes Gedicht
"Stoppinq by woods on a snowy evening" wird bei vielen Gelegenheiten zitiert.
Frau Damardji hat sich mit dem Buch "Der menschliche Makel" von Philip Roth
(geb. 1933) beschäftigt. Roth ist einer der wichtigsten Schriftsteller der
Gegenwart und hat viele Auszeichnungen für seine Werke bekommen, erwähnt
seien seine Bücher "Jedermann, Täuschung, Mein Leben als Sohn, Good bye Kolumbus".
Roth war Dozent an verschiedenen Universitäten, legte mit 69 Jahren seine
Lehrtätigkeit nieder und lebt seitdem auf einer Farm und hält Vorträge.
In dem Buch "Der menschliche Makel" wird ein Sittenbild unserer Zeit
aufgezeichnet zur Emanzipation der Frau, dem Vietnamkrieg, dem Leben der Veteranen,
über Alter und Sex. Geschehenes kann nicht rückgängig gemacht werden und man
versucht, mit der Gegenwart fertig zu werden. Die Hauptfigur des Buches,
Professor Coleman, ein Schwarzer kann niemals ein Weißer werden. Er selbst gibt
sich als weißer Jude aus, ist aber in Wirklichkeit ein hellhäutiger Schwarzer.
Eine Leseprobe schildert den Konflikt des Professors.
Mr. Wheelhouse berichtet über das Buch "Von Mäusen und Menschen" von
John Steinbeck (1902 -1968). Steinbeck hatte einen deutschen Großvater und
eine irische Mutter. Er arbeitete als Journalist, Kriegsberichterstatter,
Drehbuchautor für einen Kriegsfilm, schrieb Romane, Novellen und Reiseberichte.
1940 erhielt er den Pulitzer Preis für "Früchte des Zorns", 1962 den Nobelpreis
für Literatur. "Von Mäusen und Menschen" schildert die tiefe Freundschaft
zwischen dem geistig behinderten Lenny und seinem intelligenten, lebenserfahrenen
Freund George. George übernimmt Verantwortung für den gutmütigen, zurückgebliebenen
Lenny, der manchmal recht jähzornig reagiert und seine Kräfte nicht einschätzen
kann. Sie wollen gemeinsam eine Farm bewirtschaften, jedoch scheitert der Plan,
weil Lenny mit seiner unbändigen Kraft jemanden zu Tode schlägt und beide müssen
fliehen. Eine Leseprobe veranschaulicht Lennys Charakter.
Herr Enslin schildert die Umstände, die dem Buch "Früchte des Zorns" von John Steinbeck
zu Grunde liegen. Der "Schwarze Freitag" 1929 führte zu einer Weltwirtschaftkrise.
Roosevelt beschloss im folgenden Jahr einen "New Deal", d.h. ein Bündel von
Wirtschafts- und Sozialreformen sollte die Wirtschaft wieder ankurbeln. Viele
Landarbeiter wurden in
dieser Zeit enteignet. Sie flüchteten nach Kalifornien, in ein Land, in
dem viele Früchte gedeihen, und erhofften sich dort eine neue Existenz.
Leider wurden sie auch dort enttäuscht. Sie verdienten als Landarbeiter einen
Hungerlohn, wer nicht gebraucht wurde, wurde wieder zurück geschickt. Eine
Leseprobe beschreibt die Wut und Enttäuschung der gedemütigten Menschen.
Herr Mattner interessiert sich für das Schicksal der Indianer. Dee Brown hat
seine Recherchen über das Leben der Indianer in dem Buch "Begrabt mein Herz
an der Biegung des Flusses" aufgeschrieben. D. Brown (1908 -2002) war Essayist
und Historiker. Das Buch beschreibt den Untergang der Indianer, die Kämpfe mit
dem weißen Mann, Verträge, die gebrochen wurden und Schlachten, die in
Massakern endeten. Alle Versuche, mit dem weißen Mann in Frieden zu leben,
waren gescheitert. Gebiete, in denen früher nur Apachen lebten, sind heute
entvölkert und die Frage der Indianer "Warum müssen wir sterben?" bleibt unbeantwortet.
Die Vorträge wurden durch Songs des Ehepaars Enslin belebt. So hörten wir
"100 miles, the city of New Orleans" und "Blue moon".
Wegen der widrigen Umstände (Hitze, laute Musik, Gewitterregen) verzichtete
Herr Axt auf seinen Beitrag über Edgar A. Poe.
Allen Referenten sagte Herr Thomas ein herzliches Dankeschön
für ihre interessanten Beiträge.
Unser nächstes Treffen findet am
Freitag, 30.September 2011 statt. Thema dieses Abends sind "Herbstliche Gedanken".
Renate Gasser