Karbener LiteraturTreff e.V.



Thema: Pablo Neruda
Ort: KUHtelier
Zeit: 19.35 - 22.35 Uhr
Anwesende: 20 Personen

Dieser Abend ist dem chilenischen Schriftsteller Pablo Neruda gewidmet.
Herr Thomas begrüßt die Gäste und heißt ganz besonders Herrn Peter Lehmann willkommen, der das Programm gestalten wird.
Eine besondere Augenfreude sind die farbenfrohen Obst- und Blumenbilder von Bettina Imhof, die die Wände schmücken.
Das Ehepaar Enslin stimmt uns mit chilenischer Folkloremusik auf den Abend ein. Wir hören von Violetta Parra ein Liebeslied der anderen Art. Der Verlassene will seine Liebste vergessen, indem er bestimmte Blumen anpflanzt.
Herr Lehmann erzählt schwungvoll und detailliert die Biografie von Pablo Neruda, ausgeschmückt mit zahlreichen Gedichten. Pablo Neruda (1904 geb. in Parral - 1973 gest. in Santiago de Chile) war der Sohn eines Lokomotivführers. Kurz nach der Geburt verstarb seine Mutter. Der Vater heiratete ein zweites Mal und der kleine Pablo nannte seine Stiefmutter mamadre. Schon während seiner Schulzeit begann er zu dichten. Da ihm der Vater das Schreiben verboten hatte, veröffentlichte er seine Gedichte unter dem Pseudonym Neruda (Name eines tschechischen Schriftstellers). Mit 18 Jahren erschienen zwei Gedichtbände mit Liebesgedichten. Daraus hören wir von Herrn Lehmann drei Gedichte. Leib eines Weibes (erzählt von der Sehnsucht nach dem Weib), Abschied (handelt von verschiedenen Arten der Liebe), Gedicht Nr 20 (beschreibt das Wechselspiel der Liebe und die Trauer um den Verlust der Liebsten). Von 1921 bis 1926 studierte er Französisch und Pädagogik an der Universität in Santiago und erhielt den ersten Preis beim Frühlingsfest. Neruda bekam eine Stelle im diplomatischen Dienst in Birma, aber er blieb einsam und verzweifelte an dem langweiligen Leben. Drei Gedichte schildern seinen Gemütszustand. Einsamer Herr (erzählt von der Sehnsucht nach Liebe), Entprotokollierung (kritisiert die Papierflut und die Sinnlosigkeit), Walking around (er will sein lebendiges Begrabensein durchbrechen). Er heiratete in Java seine erste Frau, eine Holländerin. 1933 kehrte er zurück nach Buenos Aires, wo er sich mit Garcia Lorca anfreundete. Der Spanische Bürgerkrieg brach aus mit einem Putsch von General Franco. Sein Freund Lorca wiurde ermordet und Neruda beschloss, sich aktiver gegen die Putschisten zu engagieren. In dem Gedicht Ich erkläre einige Fragen verarbeitet er Erinnerungen an sein Haus. Als 1939 die Volksfront an die Regierung kam, wurde Neruda damit betraut, nach Paris zu reisen und spanische Emigranten, die vor Franco flüchten mussten, für die Einreise nach Chile zu begeistern. Er brachte 3000 Flüchtlinge zurück nach Chile. Er wurde zum Generalkonsul in Mexiko ernannt, kehrte nach drei Jahren zurück nach Chile und kandidierte für die Kommunistische Partei. In seinem Liebesgesang an Stalingrad äußert er seine Sympathie für die Kommunisten. 1946 wurde Videla Präsident in Chile und Neruda entwickelte sich zu seinem heftigsten Kritiker. Ein Haftbefehl wurde gegen ihn erlassen und Neruda entkam nur knapp der Festnahme. Die nächsten Jahre war er auf der Flucht durch Amerika unterstützt von Freunden, so auch von Picasso. Das Gedicht Die Höhen von Macchu Picchu würdigt die Arbeit der einfachen Menschen. Auch die zweite Ehe mit einer reichen Argentinierin scheiterte, erst seine dritte Frau Matilde, der er zahlreiche Liebesgedichte gewidmet hat, war seine große Liebe. Der Berg und der Fluss schildert die Werbung um Matilde.
Nach der Pause hören wir von dem Ehepaar Enslin eine Ballade von Victor Hara, der sein Liedergut den einfachen Leuten gewidmet hat.
1952 wurde del Campo zum Präsidenten gewählt und Neruda kehrte nach Chile zurück. Er lebte bei seiner Frau Matilde, besuchte aber täglich seine junge Freundin Delia. In dieser Zeit ging er seiner Sammelleidenschaft nach - Meeresschnecken, Glocken, Stofftiere etc. Er schrieb an seinem Werk Canto General (Der große Gesang), in dem er die Geschichte des amerikanischen Kontinents deutet. Es entstanden auch Oden, die er für einen Freund verfasste, wie z.B. Ode an die Katze, Faulheit und Trägheit, Nicht so hoch. Auch persönliche Erinnerungen verarbeitete er in Gedichten - Geburt ist eine Hymne an seinen Geburtsort Parral, Mamadre ist seiner Stiefmutter gewidmet, die Poesie beschreibt Schicksal und Träume. 1969 wurde Neruda als Präsidentschaftskandidat der Kommunistischen Partei benannt, trat aber zu Gunsten seines Freundes Salvador Allende zurück. Dieser gewann die Wahl 1970 und überredete den Dichter, Botschafter in Paris zu werden.
1971 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. Nach dem Putsch von Pinochet 1973 wurde sein Haus fast täglich vom Militär durchsucht nach literarischen Angriffen gegen die Politik. Neruda wollte nach Mexiko fliehen, wurde aber bei der Abfahrt angeschossen und vom Geheimdienst mit einer Spritze vergiftet. Er starb am 23.September 1973 in Santiago de Chile. Allende beschrieb seinen Tod als symbolisches Begräbnis der Freiheit. Zum Abschluss hören wir das Gedicht Frieden mit der Bitte um Frieden für die Menschen und das Land. Neruda war das Sprachrohr des Volkes im Kampf gegen Faschismus. Der meistgelesene chilenische Dichter wurde für seine melancholische Poesie ausgezeichnet. Man spürt in seinen Gedichten die sinnesstarke Poesie der Leidenschaft.


Renate Gasser